Wenige sind imstande, von den Vorurteilen der Umgebung abweichende Meinungen gelassen auszusprechen; die Meisten sind sogar unfähig, überhaupt zu solchen Meinungen zu gelangen.
Albert Einstein, dt.-amerikan. Physiker
Nun ja, das kommt vermutlich darauf an, wen man danach fragt. Da gibt es die, die ein bestimmtes Bild im Kopf haben. Von Hunden eines bestimmten Typs, und von den Menschen, die solche Hunde halten. Das Bild in ihrem Kopf ist nicht ganz ohne Grund dort. Beinahe täglich kursieren Meldungen durch die Medien, die uns von blutrünstigen Bestien berichten, die einen Menschen angegriffen, verletzt oder gar getötet haben. Zieht man 50 % freie, künstlerische Gestaltung der Damen und Herren der schreibenden Zunft ab, bleiben die Berichte dennoch tragisch genug und die Opfer verletzt oder tot.
Noch schlimmer, wenn es sich beim Opfer um ein Kind handelte. Zurück bleiben dann einfach nur Trauer, Fassungslosigkeit und blinde Wut. Wut auf dieses Mistvieh, welches das wehrlose Kind tot gebissen hat. Wut auf den Halter, der sich ja ausgerechnet solch eine Bestie anschaffen musste. Hätte der sich nicht einen "normalen" Hund zulegen können? Wozu braucht man eigentlich solche Hunde? Kampfhunde. Die gehören allesamt eingeschläfert und verboten. Was wollte dieser Mensch mit so einem Hund? Wollte er vielleicht sogar, dass der Hund beißt? Und tötet? Wer sich so einen Hund hält, ist krank. Und ein Verbrecher. Dieses kranke, asoziale Pack schafft sich solche Hunde als Waffe an, um ihr eigenes, kleines, armseliges Ego aufzupolieren, um ihr krankes Selbstwertgefühl zu stärken. Das alles sind Aussagen, die jeder von uns schon einmal oder auch schon öfter gehört hat ...
Niemand kann solche Gedanken besser nachvollziehen als eine Mutter. In unserer Familie leben auch zwei Kinder. Doch bei all dem (berechtigten) Hass, den so ein Angriff eines Hundes auslöst, vergessen die Menschen oft, wer der wirklich Schuldige, wer "der Böse" ist. Der Hund, der angreift, ist in solch einem Fall eine gefährliche Waffe, und muss ohne Zweifel aus dem Weg geschafft werden. Aber - er war nur das Instrument. Derjenige, der die Tat damit begangen hat, ist und bleibt der Mensch. Wir verbieten und hassen keine Autos, weil ein Kind überfahren wurde, und wir verbieten und hassen auch keine Messer, weil ein Mensch damit erstochen wurde. Derjenige, der versagt und getötet hat, war in jedem Fall der Mensch. Das Auto oder das Messer waren das Instrument. Das stellt nie jemand in Frage. Nüchtern betrachtet ist es auch im Falle von Verletzungen oder Angriffen durch Hunde so. Und ausnahmslos jeder Hund kann von einem IDIOTEN zur Waffe gemacht werden. Dabei möchte ich nicht unter den Teppich kehren, dass der Biss eines Yorkshire Terriers vermutlich durch den Hausarzt versorgt werden kann, die Folgen des Bisses eines jeden großen Hundes jedoch unter Umständen auf dem OP-Tisch einer Universitätsklinik zusammengeflickt werden müssen.
Derjenige, der versagt hat, ist dennoch immer der Mensch. Sei es, dass er seinen Hund nicht ordentlich und gewissenhaft beaufsichtigt hat, sich nicht verantwortungsvoll um ihn gekümmert und ihn nicht erzogen und ausgebildet hat, oder ihn tatsächlich wissentlich und absichtlich als Waffe missbraucht. Ein gut sozialisierter, charakterfester und gesunder Hund fällt keinen Menschen grundlos an. Passiert so etwas, sitzt das kranke Gehirn im Kopf des Menschen, nicht im Kopf des Hundes. Das dürfen wir niemals vergessen. Die Welt wird nicht besser, ungefährlicher oder friedlicher, wenn wir bestimmte Hunderassen von ihr verbannen. Man müsste die Menschen „verbannen“, die versagen oder in deren Köpfen sich anstelle eines Gehirns ein großer Hohlraum breit macht. Falls das jemals gelingen würde, gäbe es auf dieser Welt keine Gewalt und keine Verbrechen mehr. Das ist natürlich Utopie. Doch, wenn man noch etwas weiter denkt (denken kann), erkennt man den Unsinn in der weit verbreiteten Einstellung zu dem von Medien und Politik geschaffenen Feindbild "Kampfhund". Das eigentliche Problem ist nicht die "gefährliche" Rasse, sondern der gefährliche Halter!
Meines Erachtens ist es wichtig und durchaus notwendig, die Haltung und die Zucht aller großen Hunde sowie den Umgang mit diesen in einer Art und Weise zu kontrollieren. Doch der Weg, den unsere Politik momentan geht, ist ebenso unsinnig wie diskriminierend. Verantwortungsvolle Hundehalter werden bestraft und gegängelt. Diejenigen, auf die es wirklich zu achten gilt, halten ihre, von irgendwelchen verantwortungslosen Vermehrern produzierten, bedauernswerten Kreaturen weiterhin in einer wesenstest- und steuerfreien Grauzone.
Immer wieder einmal ist ein Zuchtverbot für gelistete Rassen im Gespräch. Was würde das bewirken? Dass niemand mehr einen Listenhund käuflich erweben kann oder dass sich die "Bestien" hier nicht noch weiter vermehren? Im Gegenteil. Noch mehr Menschen, die am Besten gar keinen Hund halten sollten und von einem verantwortungsvollen Züchter wohl auch gar keinen bekommen würden, beziehen auf Umwegen das Objekt ihrer Begierde aus irgendeiner miesen Hinterhofzucht oder aus einem Kofferraumverkauf auf dem Autobahnparkplatz im Ausland. Gefährliche, dumme Menschen kaufen potentiell gefährliche oder kranke Hunde. DAS ist es, was dadurch erreicht wird. Ein seriöser Züchter zieht keine kranken, agressiven Tiere und verkauft seine Welpen nicht an zwielichtige Gestalten. Die (kontrollierte) Abgabe von gesunden, wesensfesten Welpen (aller Rassen) über erfahrene Züchter an verantwortungsvolle Menschen würde die Bevölkerung eher schützen als die Lächerlichkeiten, die uns die Politik als "Gefahrenabwehrverordnung" serviert.
Ich möchte die Hoffnung nicht aufgeben, dass eines Tages Menschen Gesetze machen, die ehrliche Ziele verfolgen - nicht nur ihre eigenen.
Gefährliche Hunde werden nicht geboren. Gefährliche Hunde gehören auch keiner bestimmten Rasse an. Gefährliche Hunde werden gemacht. Von gefährlichen Menschen.
