Die Reaktionen der Menschen, die wir tagtäglich bezüglich unserer Hunde beobachten, sind sehr gespalten. Die Einen sind entsetzt, verängstigt, ablehnend und feindselig. Die Anderen freundlich und recht interessiert und stellen viele Fragen. Einige wenige sind auf der Stelle verliebt in die Hunde und möchten irgendwann und unbedingt „auch so einen“.

Für diese Menschen und – vor allem – für die Spezies Mensch, die sich ausschließlich vom brachialen Äußeren dieser Rasse beeindrucken lassen, möchte ich folgende Zeilen schreiben:

Die meisten Menschen denken nicht darüber nach, wofür der Dogo Argentino ursprünglich geschaffen wurde.

Er ist AUF KEINEN FALL der "krasse Kampfhund" *, den Mancher gerne an der Leine hätte, denn er wurde niemals gezüchtet, um gegen Seinesgleichen zu kämpfen. Im Gegenteil: Diese Eigenschaft wurde im Laufe der Zeit durch selektive Zucht eliminiert! Außerdem ist er aufgrund seines Körperbaus völlig ungeeignet, da zu groß und zu schwer. Auch ist er kein Hund, den man mal kurz Gassi führen kann, wenn es einem gerade in den Sinn kommt, seinen schönen weißen Hund den Bekannten zu zeigen, um ihn nachher wieder auf seine Decke zu schicken und links liegen zu lassen. Ich kann hier nur hoffen, dass Menschen, die sich aus dieser Intention heraus einen Dogo Argentino wünschen, NIEMALS auch nur irgendeinen Hund bekommen werden! (* Natürlich möchte ich hier keine anderen Rassen, schon gar nicht die gelisteten, in ein schlechteres Licht rücken. Auch kein Pitbull, Amstaff, Bulli, Staffbull ... hat einen Idioten als Halter verdient!)

Doch er ist auch nicht der „ideale Familienhund“, der lieb und folgsam ist und einen überall hin begleiten kann, wenn Sie nur einfach Wasser und Futter dazugeben. Der Dogo Argentino ist und bleibt ein Jagdhund. Ein großes, sehr kräftiges und oft sturköpfiges Vieh, das einen Menschen mit zarter Hand und von sehr weichherziger Natur oft zur Verzweiflung bringen kann. Der Dogo, den Sie vielleicht irgendwo getroffen haben, der so freundlich und so liebenswert war, kommt – wie jede andere Rasse auch – nicht einfach so zur Welt. KEIN Hund ist von Natur aus wohlerzogen, gut sozialisiert und charakterfest. Dahinter steckt Arbeit, und zwar eine ganze Menge! Bei einem Hund wie dem Dogo vielleicht mehr, als bei einigen anderen Rassen.

Der Dogo muss vom ersten Tag an wissen, wer das Sagen hat und es sollte sichergestellt sein, dass sein Besitzer fähig ist, dies durchzusetzen und aufrecht zu erhalten. Er braucht eine konsequente, verantwortungsvolle Erziehung, mit viel Liebe und Geduld, jedoch ohne Härte.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Problematik, die mit der Rasse hier in Deutschland vielerorts einhergeht. Einen Dogo mit in die Öffentlichkeit zu nehmen ist manchmal keine große Freude. Viele Menschen haben wegen der unsäglichen Hexenjagd der Medien Angst vor Hunden dieses Typs. Schnell wird aus der netten Bilderbuchfamilie ein "asoziales Pack". Mit Anfeindungen muss man rechnen und damit entsprechend umgehen können.

Dogos sind eher ungeeignet für unerfahrene Hundehalter bzw. als Ersthund. So süß ein kleiner, knuddeliger, weißer Welpe auch sein mag – im Alter von acht Monaten kann der kleine Knuddel seinen Kopf in den Suppenteller auf dem Küchentisch legen und im Alter von ein bis zwei Jahren zeigt sich, ob ein Dogo nicht vielleicht doch viel zu viel Hund für seinen Besitzer ist. Und dann ist es zu spät: zu viele enden in Tierheimen. Das ist besonders tragisch, da ein Dogo Argentino nur schwer verkraftet, wenn er seine gewohnte Umgebung verliert oder von Hand zu Hand gereicht wird. Man kann sich und dem Tier viel Ärger und Leid ersparen, wenn man seine Motivation und Eignung, einen Dogo zu besitzen, vorher ehrlich und aufrichtig überdenkt.


  • Wissen Sie, was es bedeutet, einen großen, kräftigen Hund zu haben? Ein Rüde mit über 50 Kilogramm ist keine Seltenheit.
  • Hatten Sie jemals zuvor einen Hund einer großen Rasse? Oder überhaupt einen Hund?
  • Wie hoch sind Ihre Tore und Ihr Gartenzaun?
  • Haben Sie genug Zeit, den Hund ausreichend zu bewegen? Das bedeutet nicht, einmal täglich um den Block, sondern mindestens zweimal täglich über Wiesen und Felder.
  • Sind Sie bereit, den größten Teil Ihrer Freizeit zu opfern? Und das täglich?
  • Sind Sie körperlich in der Lage, lange und oft zu laufen?
  • Sind Sie körperlich in der Lage, einen Hund dieser Gewichtsklasse zu halten und kontrollieren?
  • Ist es Ihnen egal, welches Wetter draußen herrscht? Kälte? Regen?
  • Sind Sie sich dessen bewusst, dass der Dogo Argentino einen starken Jagdtrieb hat?
  • Sind Sie sich darüber im Klaren, dass ein Jagdhund, der hier in Deutschland nicht jagen kann, irgend eine sinnvolle Aufgabe braucht, da er ansonsten frustriert und destruktiv reagieren wird?
  • Ist es Ihnen klar, dass sie einen Dogo nicht einfach mal kurz dem Nachbarn überlassen oder die Kindern zum Gassi gehen schicken können? Dass Sie den Dogo nur einzeln ausführen dürfen, wenn Sie keine Ordnungswidrigkeit begehen möchten?
  • Sind Sie auf höhere Tierarztrechnungen vorbereitet? Größerer Hund – höhere Kosten?
  • Kennen Sie die eventuellen gesundheitlichen Probleme dieser Rasse?
  • Sind Sie bereit, höhere Hundesteuern zu zahlen?
  • Kennen Sie die Auflagen, die hier in Deutschland vielerorts für diese Rasse existieren? Halteerlaubnis? Wesenstest? Sind Sie bereit, diese zu erfüllen?
  • Ist Ihre Wohnung geeignet für einen großen Hund? Groß genug? Sicher genug?
    Ein Dogo klettert mit Leichtigkeit auf Sofas oder Betten, steigt Treppen, erreicht jede Arbeitsplatte und jeden Tisch, macht Türen auf usw. Und Sie sind nicht immer zu Hause!
  • Sind Sie sich im Klaren über weitere Kosten, die auf Sie zukommen? Ausstattung wie Hundebett, Leine, Halsband? Futtermittel? Medikamente?
  • Sind Sie bereit, einiges an Zeit und Geld für Training und Ausbildung Ihres Hundes zu investieren?
  • Kommen Sie damit klar, an vielen öffentlichen Orten mit Ihrem Dogo an der Leine plötzlich nicht mehr willkommen zu sein? Vielleicht beschimpft und beleidigt zu werden?
  • Was ist, wenn Ihre Freunde oder die Freunde Ihrer Kinder Sie nicht mehr besuchen kommen?
  • Mögen Sie kurze, weiße, hartnäckige Hundehaare auf Möbeln und Kleidung?
  • Wissen Sie, ob bei Ihnen eine Hundehaarallergie besteht?

Diese Liste könnte ich endlos fortsetzen, doch hier sollte es genug sein...

Falls Sie nur die leisesten Zweifel haben, denken Sie bitte nochmals ernsthaft über Ihren Wunsch, einen Dogo Argentino zu halten, nach. Vielleicht werden Sie viel glücklicher, wenn Sie sich für eine andere Rasse entscheiden, die weniger triebgesteuert und kräftig ist? Die gesellschaftsfähiger ist und in der Öffentlichkeit gerne gesehen und akzeptiert wird? Oder vielleicht mit einem kleineren, leichteren Hund, der einfacher zu beherrschen und zu handhaben ist?

Es wäre verdammt schade, wenn Sie eines Tages feststellen müssten, dass der Dogo doch nicht Ihr Traumhund ist.

Ich habe diese Zeilen übrigens nicht verfasst, um der Welt zu zeigen, welch fähige Hundehalter wir doch sind. Ganz im Gegenteil. Wir haben oft hilflos vor Problemen gestanden, die wir niemals erwartet hätten, weil wir uns ein Leben mit Hund viel einfacher vorgestellt hatten. Wir haben es dennoch geschafft ... bis hier hin. Es war ein langer und steiniger Weg, dessen Ende wir noch lange nicht erreicht haben. Wir haben unendlich viel Zeit, Nerven und Geld investiert. Wir haben unser Leben total umgekrempelt und sind an unseren Aufgaben gewachsen. Wir haben neue Prioritäten gesetzt, Unverständnis geerntet, Ablehnung erfahren, Freunde verloren und neue Freunde gefunden. Freunde fürs Leben.

Was ich damit sagen will ... der Dogo Argentino ist nicht einfach ein Haustier, kein Statussymbol, kein lustiger Zeitvertreib und viel mehr als ein Hobby.

Der Dogo ist eine Leidenschaft.